die Geschichte des Cronenberger Samba´s
 

Vor 1945 Die Nachkriegsjahre Die Bundesbahnzeit

 

 

Dreiteiliger Schienenbus VT-95 auf dem Weg Richtung Wuppertal-Elberfeld kurz vor dem Haltepunkt Wuppertal-Burgholz um 1955 (Foto Merker Verlag)

Der Name "Cronenberger Samba" wurde geboren

Ab 1951 gab es zum ersten mal Überlegungen bei der noch jungen Deutschen Bundesbahn, den Schienenverkehr auf Nebenstrecken wirtschaftlicher zu betreiben. Mit dem Bau von Schienenbussen der  Baureihe VT 95 und  später auch stärkere VT 98 verschwanden in den fünfziger Jahren viele Lokbespannte Personenzüge von den Nebenbahnen. So geschah es auch auf der Strecke nach Cronenberg. Aus dieser Zeit stammt auch der bekannte Name Cronenberger „Samba“. Die Schienenbusse gaben dem Fahrgast ein völlig neues Fahrgefühl, denn durch den langen Achsstand der Fahrzeuge spürte man die engen Kurven besonders stark. Durch das Schaukeln und Schwanken in den Kurven entstand sodann der Vergleich mit einem Sambatanz und schon war der Name Cronenberger „Samba“ geboren. Fälschlicherweise wurde der Cronenberger Samba auch "Samba-Express" genannt. Im Cronenberger Volksmund spricht man aber nur vom Cronenberger Samba. Nach der Übernahme des Personenverkehrs durch Schienenbusse im Jahr 1955, wurde das Fahrplanangebot auf den bis zuletzt gefahrenen Stundentakt ausgeweitet.

Das Bahnbetriebswerk Wuppertal-Steinbeck wurde ab den fünfziger Jahren eine Schienenbushochburg. Die Nebenstrecken nach Radevormwald, die Strecke von Wuppertal-Oberbarmen nach Hattingen über Sprockhövel und die Wuppertaler Nordbahn (Rheinische Strecke) wurden mit Schienenbussen bedient. Auch Nebenstrecken im Oberbergischen wurden mit Schienenbussen aus dem Bw. Wuppertal-Steinbeck befahren. Die Schienenbusse erwiesen sich als sehr zuverlässig, so dass es auf der Bahnstrecke nach Wuppertal-Cronenberg keine anderen Zugeinsätze mehr gab. Lediglich der Güterverkehr sorgte noch für Abwechselung bei den Zugarten, und hin und wieder wurde die Sambastrecke auch von Sonderzügen befahren. Im Gegensatz zu anderen Strecken im Bergischen Land spielten Sonderzüge jedoch eine untergeordnete Rolle. Die Zugbildung auf der Sambastrecke ergab sich folgendermaßen: Die ersten Schienenbusse, der Baureihe VT95 wurden unterschiedlich eingesetzt. Von Solofahrzeugen bis zu dreiteiligen Einheiten war je nach Bedarf alles Möglich. Als Ende der sechziger Jahre stärkere und zweimotorige Schienenbusse der Baureihe VT98 nach Wuppertal kamen, wurden diese auf der steilen Strecke nach Cronenberg eingesetzt. Diese Schienenbusse besaßen nun auch Steuerwagen die ein Umsetzen des Motorwagens ersparten. Der Einsatz der Triebwagen VT98 war dann meist nur noch zweiteilig, gebildet aus Motorwagen und Steuerwagen (VS98). Als die Fußballmannschaft des Wuppertaler Sportvereins (WSV) noch in der ersten Bundesliga spielte, kam an den Spieltagen noch ein Mittelwagen hinzu, so dass an diesen Tagen der Schienenbus dreiteilig war. Das Stadion in der Nähe des Wuppertaler Zoo’s war mit dem Cronenberger Samba gut zu erreichen, denn der Haltepunkt Wuppertal-Boltenberg lag nur einige hundert Meter oberhalb des Stadions.

Besonderheiten in den Jahren bis 1980 waren selten. Nur im Winter, wenn auf den eingeschneiten Südhöhen Wuppertals nichts mehr ging, war der Cronenberger Samba die einzige Möglichkeit, von Elberfeld nach Cronenberg zu kom­men. Das führte dazu, dass der Schienenbus überfüllt war. Manchmal wurden dann noch weitere Wagen angehängt, und mit Hilfe einer zusätzlichen Diesellok der Baureihe 212 ging es so auch bei Schnee und Eis nach Cronenberg. Gerade bei diesen Witterungsbedingungen wird jedem bewusst wie wichtig eine Zugverbindung nach Cronenberg war. Nun im 21. Jahrhundert ist bereits bei geringer Schneehöhe ein pünktlicher ÖPNV nicht mehr möglich, und die Wuppertaler Südhöhen sind dann über Stunden von der Außenwelt abgeschnitten. Als 1891 die Eisenbahnstrecke nach Cronenberg eröffnet wurde, war auch das ein großer Fortschritt. Die Stilllegung war jedoch ein herber Rückschlag mit vielen Nachteilen für Cronenberg.


Während die Linienbusse im Schnee steckten, 
war der Samba oft die einzige Verbindung nach Elberfeld. Roter Akkutriebwagen in Cronenberg. (Foto Unbekannt)

Bis 1980 änderte sich nichts am monotonen Schienenbuseinsatz. Mit der Stillegung der Strecken nach Radevormwald und nach Hattingen im Jahr 1979 ging der Bedarf an Schienenbussen im Bereich Wuppertal stark zurück. So begann die Deutsche Bundesbahn damit immer mehr Schienenbusse auszumustern. Während Anfang der siebziger Jahre bereits die ersten VT95 Triebwagen ausgemustert wurden, folgten 1980 eine größere Stückzahl der VT98er Serie. Die Deutsche Bundesbahn beschloss in diesem Zusammenhang, keine Schienenbusse mehr in Wuppertal einzusetzen. Der letzte Laufplan des Bw. Wuppertal-Steinbeck, (Laufplan 75) für Schienenbusse, endete zum Winterfahrplan 1980/1981. Das bedeutete für den Cronenberger Samba das Aus, zumindest was die typische Fahrzeuggattung betraf. Ab Herbst 1980 wurden  auf der Sambastrecke Akkutriebwagen der Baureihe 515 (ETA150) eingesetzt. Vier Schienenbusse der neueren Bauart VT 798/998 wurden nach Norddeutschland zum Bw. Husum  umquartiert. In Husum wurden die ehem. Wuppertaler Schienenbusse noch bis 1984 eingesetzt. weitere vier Schienenbusse aus Wuppertal dürften noch im Bw. Landau (Pfalz) ihr Gnadenbrot verdienen. Doch der größte Teil wurde jedoch nach längerer "Z" Stellung in Wuppertal-Vohwinkel dem Schrott zugefügt.


ausgemusterte Schienenbusse in Vohwinkel (Foto Klaus Speckenbach)

 


1980 wartet eine Diesellok der Baureihe V60 
auf die Überholung eines Schienenbusses in Küllenhahn. (Foto Unbekannt)

 

 

Der Güterverkehr wurde seit den sechziger Jahren mit Dieselloks der Baureihe V60 abgewickelt. Mit dem Zug wurde jedoch immer weniger transportiert, denn der Ausbau der Straßen und die Umstellung auf LKW machten viele Züge überflüssig. Die Spedition Digass in Cronenberg und der Schrotthändler Ernenputsch in Küllenhahn waren bis zuletzt noch Güterkunden, die in der Woche täglich bedient wurden, doch die Güterzüge reduzierten sich auf eine Fahrt in den Morgenstunden. Der Abendliche Stückgutwagen von Cronenberg, wurde in dem letzten Betriebsjahren von dem Planmäßigen Triebwagen um 19:05 Uhr mitgenommen. Dieses führte im Bahnhof Cronenberg zu einer Rangierfahrt des Akkutriebwagens auf das Gütergleis neben dem Bahnsteig am Güterschuppen. Nachdem der Stückgutwagen angehängt wurde, fuhr der Triebwagen wieder zurück auf das normale Abfahrtsgleis um die Fahrgäste aufzunehmen. Bereits Ende der siebziger Jahre gab es Stilllegungsgerüchte um die Sambastrecke. Viele Nebenbahnen in Deutschland waren zu diesem Zeitpunkt bereits stillgelegt und die Deutsche Bundesbahn nahm auf die Wünsche der Städte und Bürger kaum Rücksicht. Obwohl der Cronenberger Samba eine starke Konkurrenz hatte, überlebte er jedoch zunächst hartnäckig. Da die Deutsche Bundesbahn kein Interesse daran hatte, ein vernünftiges Verkehrskonzept zu entwickeln mit Rücksichtnahme auf Busanbindungen in Cronenberg, fuhren die Busse der Stadtwerke und der Samba oft nebenher und nahmen sich gegenseitig die Kunden weg. Fahrgäste aus Sudberg, Kohlfurth oder 
Am Hofe konnten mit dem Bus direkt nach Elberfeld fahren. Eine Bushaltestelle am Cronenberger Bahnhof gab es nicht, und so kam auch kein Fahrgast auf die Idee, in den Zug umzusteigen.

Der letzte offizielle Zug befuhr am 28.02.1988 die Sambastrecke und zwar, eine Diesellok der Baureihe 212, die nun die letzten Güterwagen aus Cronenberg und Küllenhahn abholte.

Bis Mitte der neunziger Jahre kam es jedoch unregelmäßig vor, das mit Hilfe eines Schienenarbeiterfahrzeuges (SKL), die Strecke von Sträuchern befreit wurde. Die Verwilderung konnte aber bis zum Abbau der Schienen, trotzdem nicht verhindert werden. Die weitere Entwicklung der Sambatrasse finden Sie in der Rubrik Aktuelles.

Auf die Stilllegungsgründe wird gesondert in der Rubrik "Das K.O." eingegangen.

Halt für immer zeigt das Flügelsignal am Küllenhahner Bahnhof (Foto Holger Siefert)